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Ein Haus aus alten Autoreifen - unkonventionell!
Wenn ich über ein Haus aus Autoreifen spreche, dann überläuft viele Earthship-Neulinge, vielleicht auch Dich, erst mal ein Schauer ... Fragen, wie die folgenden tauchen auf:
Warum sollte ich im Abfall leben?
Sind Autoreifen nicht gesundheitsgefährdend oder gefährdend für die Umwelt?
Laufe ich nicht Gefahr, dass mir das Haus abbrennt, weil doch Autoreifen so gut wie gar nicht zu löschen sind, wenn sie einmal Feuer fangen?
etc.
Ich verstehe gut, wie ein gelernter Normalverbraucher in der Wegwerfgesellschaft, in der wir nun einmal leben, auf diese Fragen kommt, habe ich sie beim Kennenlernen der Earthships doch auch gestellt.
Hier ein paar Antworten:
Leben im Abfall: Was Abfall ist, ist eine Frage der Definition. Natürlich macht es keinen Spass mit einem Haufen ungewaschenem Geschirr, in dem die Schimmelpilze wuchern, zu leben. Aber alte Autoreifen, die noch dazu komplett in die Wand eingebaut und verputzt werden, sind da doch etwas anderes. Für alte Dosen gilt das gleiche und mit alten Flaschen kann man sogar wunderschöne optische Effekte erzielen. Vieles, was wir heute so selbstverständlich wegwerfen, kann nicht oder nur mit großem Aufwand entsorgt oder recykliert werden. In der Natur gibt es keine sog. Problemstoffe, für die es keine Verarbeitungsmöglichkeit gibt. Nur der Mensch hat das Talent ständig neue Stoffe zu entwickeln, die für einen oder vielleicht ein paar Zwecke perfekt geeignet sind. Haben sie diesen Zweck erfüllt, dann legt man sie auf Halde oder macht sich Gedanken, was nun mit den unbrauchbaren Dingen aus diesen Stoffen gemacht werden soll. Diese Stoffe binden nicht nur Ressourcen, sie sind vielmehr die “Rohstoffe des 21. Jahrhunderts”, die wir verwenden wollen, weil es sie ohnehin schon gibt. Nur weil sie normalerweise unseren Alltag nach ihrem ersten Verwendungszweck nicht mehr direkt tangieren, sind sie nicht wirklich verschwunden, sie werden uns nur aus dem Blickfeld geräumt - auf Müllhalden, in Entwicklungsländer oder in Recycling-Produkte. So werden Reifen auch in unseren Breiten zu Baumaterialien wie Baumatten, Rohre, Mieten-Abdeckungen, Beläge für Spiel- und Sportstätten, Trägermaterial für Teppichböden, Sandalensohlen etc. verarbeitet. Hier stört uns die Tatsache, dass es eigentlich Abfall ist, auf dem wir uns bewegen, relativ wenig, wurde er doch - mit hohem technischen Aufwand recykliert (Allerdings ist “die Wiederverwendung von Gegenständen dem Recycling vorzuziehen ist, da der Energieaufwand geringer ist” [Wikipedia - Recycling]). Ein Autoreifen, ohne hohem technischer Verarbeitungsgrad in der Wand meines Hauses soll aber weniger akzeptabel sein? Argumente?
Sind Autoreifen gesundheits/umweltgefährdend: Dazu gibt es bereits eine Forums-Diskussion, auf die ich hier verweisen möchte: http://earthship.forumservice.de/viewtopic.php?t=11. Außerdem bin ich auf ein paar interessante Anwendungen von Autoreifen am Bau und in Häusern gestoßen, die dann mindestens ebenso gesundheits/umweldgefährdend sein müssten. Kurze Andeutung oben, Deatils später.
Brennende Autoreifen: Wer schon mal die Bilder von brennenden Autoreifenbergen gesehen hat, die monatelang nicht gelöscht werden können, der fürchtet sich natürlich davor. Aber Autoreifen brennen nur, wenn sie sich irgendwie entzündet haben. Dazu benötigt man hohe Temperaturen (z.B. einen Blitzschlag) und Sauerstoff, damit der brennende Autoreifen am Brennen gehalten werden kann. Unsere Autoreifen sind mit verdichteter Erde gefüllt und außen mit Erde zugeschoben bzw. innen mit 2,5 bis 5 cm dickem Verputz bedeckt. Wie soll da ein Entzünden vor sich gehen oder ein Funke am Brennen gehalten werden? Keine Angst, unsere Reifenwände brennen natürlich nicht!
Ich argumentiere hier nicht, dass jeder sein Haus in Zukunft aus Reifen bauen sollte, vielmehr will ich zum Nachdenken und zur Diskussion auffordern, warum ein Leben in einem “Reifenhaus” denn abwegig sein sollte. - Nur weil es in Mitteleuropa bis dato nicht bekannt oder gebräuchlich ist?